Projektlogistik mit einem Minimum an Vorab-Information

ProjektlogistikProjektlogistik mit einem Minimum an Vorab-Information

Philipp Küffner
Philipp KüffnerDeputy Branch Manager

„Die Produktion war stillgelegt, alle Maschinen und Anlagen aber noch in aufgebautem Zustand an ihren jeweiligen Plätzen“, fasst Philipp Küffner die Ausgangslage zusammen. „Die Demontage durch eine Fachfirma stand zwar an, aber niemand konnte mit Sicherheit sagen, welche Maße geschweige denn Gewichte die einzelnen Packstücke haben würden."

Dennoch lautete der Auftrag an Karl Gross: entwickelt ein Transportkonzept, wie die Fabrikanlage ihren Weg zum neuen Bestimmungsort in Übersee antreten kann. Besonderes Augenmerk sollte der Kosteneffizienz gelten. Eine spannende Herausforderung!

Wie mit den vielen Unbekannten umgehen?

„In einem ersten Schritt haben wir die einzelnen Maschinen und Anlagen in Augenschein genommen und vermessen, um einen ersten groben Eindruck von den einzelnen möglichen Maßen zu bekommen,“ erzählt Küffner.

„Unter Gesichtspunkten der Kosteneffizienz sind wir dann in eine enge Abstimmung mit der Demontagefirma gegangen.“ Hierbei stand die Frage im Vordergrund, bis auf welche Maße die Maschinen und Anlagen bestenfalls zerlegt werden sollten, um Packstücke mit Übermaßen zu vermeiden. „Uns ging es darum, möglichst viele Teile zum Verschiffungshafen transportieren zu können, ohne dass dafür gesonderte Transportgenehmigungen beantragt werden mussten."

„Uns ging es darum, möglichst viele Teile zum Verschiffungshafen transportieren zu können, ohne dass dafür gesonderte Transportgenehmigungen beantragt werden mussten."

Die Machbarkeit im Einzelnen sollte sich jedoch erst während der Demontage selbst zeigen

„Die finalen Sendungsabmessungen bekamen wir tatsächlich sehr kurzfristig – ein bis zwei Tage vor der geplanten Gestellung der Trucks für den Vorlauf. Hatten die Teile Übermaße, mussten wir also ganz kurzfristig entsprechende Tieflader organisieren“, berichtet Philipp Küffner.

Und die Gewichte?!

„Das war ein weiteres Thema“, sagt Philipp Küffner. Der Austausch mit allen Beteiligten im Vorfeld der Arbeiten hatte gezeigt, dass nicht mit Packstücken mit Übergewicht zu rechnen war. Ein wichtiger Punkt in Sachen Planbarkeit. Flexibilität blieb dennoch gefragt. „Das tatsächliche Gewicht der Packstücke konnten wir aber erst bei der Beladung feststellen, so dass wir im Endeffekt ad hoc vor Ort entscheiden mussten, wie genau die Packstücke auf welchen LKW geladen und gesichert werden.“ 

Auch gebrauchte Maschinen benötigen Schutz

Die Organisation der seemäßigen Verpackung und des Stauens der einzelnen Sendungsteile zählte ebenfalls zu den Aufgaben von Karl Gross. „Ein guter Teil der Ware konnte in Container gestaut werden“, sagt Küffner. „Für die Teile mit Übermaßen konnten wir auf Flatracks und Open-Top Container zurückgreifen.“

Herausfordernder als die Organisation als solche war in Abstimmung zum Thema „seemäßige Verpackung“. „Bei Transporten gebrauchter Maschinen und Anlagen erleben wir immer wieder – und verständlicherweise – dass ein ausgeprägtes Augenmerk auf dem Thema „Kosten“ liegt. Gleichzeitig ist der Schutz der Ware unabdingbar“ sagt Küffner.

Beim Thema „Ausfuhrdokumente“ wartete die nächste Herausforderung auf Karl Gross

„Hier war in einigen Fällen Detektivarbeit gefragt“, sagt Küffner mit einem Schmunzeln. Worum ging es? Lieferantenerklärungen! „Bei älteren Maschinen kann es schon mal vorkommen, dass die ursprüngliche Herstellerfirma heute nicht mehr existiert weil sie z.B. durch eine andere Firma übernommen wurde. Mit etwas Recherche konnten wir aber alle notwendigen Dokumente bekommen.“

Ein besonderer Auftrag – in mehrfacher Sicht

„Wie jeder Auftrag in der Projektlogistik hatte auch dieser Auftrag fachlich seine Eigenheiten. Das macht das Thema Projektlogistik ja so spannend“, sagt Philipp Küffner.

Doch dieser Auftrag war noch unter einem ganz anderen Gesichtspunkt speziell: Bei den Maschinen und Anlagen handelte es sich um die einer ehemaligen „Bremer-Traditionsfabrik“. „Für uns war das irgendwie auch emotional berührend. Zu sehen, dass die Maschinen abgebaut werden und damit eine Ära in Bremen final zu Ende geht, ist einfach nicht schön – weder für die anwesenden Betriebsangehörigen noch für uns als regional Verwurzelte und Angehörige eines Bremer Traditionsunternehmen“, sagt Philipp Küffner.


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