Im Rahmen ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistungen hat Lisa Marie von Appen aus unserem Hamburger Haus sich für die Zusatzqualifikation Europakauffrau entschieden. Teil dieser Zusatzqualifikation ist ein mehrwöchiger Auslandsaufenthalt.
Wir haben mit ihr über die Ausbildung und ihre Erfahrungen während ihres Auslandsaufenthalts gesprochen:
Wie unterscheidet sich die Ausbildung zur Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistungen mit der Zusatzqualifikation „Europakauffrau“ von der regulären Ausbildung?
In Hamburg mache ich die ganz normale Ausbildung zur Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistungen und habe in der Berufsschule dann die Möglichkeit, die Europaklasse zu besuchen. Der Unterschied zu einer normalen Berufsschulklasse ist dabei, dass wir zusätzlich zum normalen Unterricht noch zwei Stunden Spanisch in der Woche haben und eben ein fünfwöchiges Praktikum im Ausland machen müssen.
Warum hast du dich für die Zusatzqualifikation Europakauffrau entschieden?
Ich habe mich hauptsächlich für diese Klasse entschieden, weil ich gerne ins Ausland gehen wollte und dies in der Europaklasse verpflichtend ist.
In welchem Land / in welcher Stadt hast du dein Praktikum absolviert?
Ich habe meinen Auslandsaufenthalt in Ho Chi Minh City, Vietnam, verbracht. Außerdem habe ich während meines Aufenthalts die Möglichkeit bekommen, auch für ein paar Tage unser Büro in Hanoi, Vietnam, zu besuchen und unsere Kolleg:innen dort kennenzulernen.
Konntest du entscheiden? Wenn ja, wie kamst du auf Vietnam?
Ich wusste eigentlich schon, als ich das Angebot bekommen habe, dass ich in den asiatischen Raum möchte. Ich habe mit mehreren Kolleg:innen gesprochen, die bereits in Vietnam waren und durchweg nur Positives berichtet haben. Und wenn man sich die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung in Vietnam anschaut, war es auch genau die richtige Entscheidung. Das Land boomt, besonders in der Spedition im Export. Zudem hat Vietnam eine super interessante Geschichte und Kultur, die man viel näher erleben kann, wenn man dort lebt und arbeitet.
Wie lange ging der Aufenthalt?
Ich war insgesamt 5 Wochen in Vietnam. Davon war ich die meiste Zeit in Ho Chi Minh City und zum Schluss ein paar Tage in Hanoi.
Wie lief die Organisation im Vorfeld über die Berufsschule und den Betrieb ab?
Die Berufsschule gibt den möglichen Zeitraum und die Mindestlänge des Praktikums vor. Das waren bei uns fünf Wochen. Zusammen mit Karl Gross habe ich dann alles Weitere organisiert. Karl Gross hat mir das Hotel sowie den Hin- und Rückflug gebucht. Anschließend habe ich mit Unterstützung meiner Kolleg:innen hier in Deutschland sowie der Kolleg:innen in Vietnam mein Visum organisiert.
Mit welchen Erwartungen bist du die Reise angetreten?
Ich habe im Vorfeld versucht nicht allzu viele Erwartungen an diese Reise zu stellen. Natürlich wollte ich so viel mitnehmen, wie ich konnte. Ich wollte die Arbeitskultur dort kennenlernen. Wollte wissen, wie sich die Prozesse hier in Deutschland vielleicht von denen in Vietnam unterscheiden oder inwieweit sie sich ähneln. Im Großen und Ganzen wollte ich einen Einblick in die Arbeitswelt von Vietnam bekommen, um zu verstehen, wie die Arbeit, die wir machen, an anderen Orten aussieht.
Hast du dich von Anfang an gut im Team aufgenommen gefühlt?
Die vietnamesische Kultur ist eine sehr offene und sehr herzliche Kultur. Bereits ab dem ersten Tag haben die Kolleg:innen dort für mich Frühstück, Mittag und Abendbrot mitgebracht. Die Gastfreundschaft vor Ort wird viel durch gemeinsames Essen ausgedrückt. Trotzdem war es zu Beginn schwierig sich einzuleben. Es ist eben doch eine andere Kultur, die man auch erst mal kennenlernen muss. Aber mit der Zeit habe ich Anschluss bei Kolleg:innen gefunden, mit denen ich auch außerhalb der Arbeitszeit Dinge unternommen habe. (Hauptsächlich noch mehr essen)
Wie lief ein gewöhnlicher Arbeitstag, während deiner Zeit dort ab?
Da mein Hotel direkt neben dem Gebäude von unserem Büro lag, konnte ich morgens immer ziemlich lange ausschlafen und gemütlich im Hotel frühstücken bis ich um 08:30 Uhr im Büro sein musste. Die erste Stunde habe ich meistens damit verbracht meine Notizen des vorherigen Tages zu organisieren und zu gucken, ob ich noch offene Fragen habe. Danach habe ich mich meistens zu einer Person aus der jeweiligen Abteilung gesetzt und ihr bei der Arbeit zugeschaut, während sie mir die einzelnen Schritte erklärt hat. Oft haben wir auch über die Unterschiede zwischen Deutschland und Vietnam gesprochen. Dabei habe ich mir immer viele Notizen gemacht.
Pünktlich um 12:00 Uhr haben wir immer Mittag gemacht. Zum Mittag bin ich oft mit meinen Kollegen zu einem Foodcourt im Einkaufszentrum neben unserem Büro gegangen. Hier habe ich mich durch alle möglichen Restaurants probiert. In Vietnam ist es normal, dass man sich nach dem Essen bis 13:30 Uhr hinlegt, um zu schlafen. Da mein Hotel direkt neben dem Büro lag, bin ich für diese Zeit nach dem Essen immer ins Hotel gegangen und war dann pünktlich um 13:30 Uhr wieder im Büro, bei meinen Kolleg:innen.
Es gab zwischendurch natürlich auch mal Momente, in denen keiner für mich Zeit hatte. In solchen Momenten habe ich mich dann eigenständig informiert. Um 17:30 Uhr durfte ich dann Feierabend machen.
Wie unterscheidet sich die Arbeitskultur dort von der hiesigen/in Deutschland?
Die Arbeitsmoral in Vietnam ist sehr beeindruckend. Aber genau wie hier wird auch in Vietnam großer Wert auf das Team-Gefühl gelegt. Sie arbeiten zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Team Events werden dort alle paar Monate gemacht, wobei sich dann die Teams aus allen drei Standorten treffen und gemeinsam Zeit verbringen.
Gab es Probleme mit der Verständigung dort? Eventuelle Sprachbarrieren?
Sprachbarrieren gab es tatsächlich mehr, als ich dachte. Übersetzer Apps haben uns hier viel geholfen. Aber nach ein paar Tagen hat sich auch das total normal angefühlt. Übersetzer waren generell der Retter in jeder Situation, in der man sich gegenseitig nicht ganz verstanden hat.
Was war für dich ein Highlight in dieser Zeit?
Ein Messe Besuch in Hanoi zusammen mit den Kollegen aus dem Sales. Es war eine Messe für Plastik und Maschinen zur Plastikverarbeitung. Da dort vieles auf Vietnamesisch und auch auf Chinesisch präsentiert wurde, konnte ich inhaltlich von der Messe nicht so viel mitnehmen, aber die Erfahrung allein, mal zu sehen, wie so ein Messebesuch abläuft und was für Strategien unsere Kollegen in Vietnam verfolgen, wenn sie auf eine Messe gehen, war sehr spannend. Als eine der wenigen Personen, die auf der Messe nicht aus dem asiatischen Raum stammt, wurde ich tatsächlich auch von einigen Standbetreibern angesprochen und bin so doch in einige Gespräche verwickelt worden.
Was war für dich das größte Learning während deines Aufenthalts?
Man darf keine Angst davor haben, Leute einfach anzusprechen. Selbst wenn man nicht dieselbe Sprache spricht, findet man fast immer einen Weg, sodass man überall mal schnell nach dem Weg fragen kann oder nach einer Empfehlung für ein gutes Restaurant. Das habe ich vor allem auf der Messe gemerkt, wo ich von vielen Menschen angesprochen wurde. Nicht alle von ihnen konnten Englisch und ich konnte nur ein paar wenige Worte auf Vietnamesisch, also haben wir uns mithilfe meiner Kollegen und Übersetzern verständigt.
Hast du einen Tipp für angehende Kaufleute, die mit dem Gedanken spielen, das Gleiche zu machen wie du?
Sei offen für Neues und geh nicht mit zu vielen Erwartungen an die Sache ran. Vor allem, wenn man in ein Land reist, was sich in der Kultur so sehr vom Eigenen unterscheidet, muss man das Land und die Menschen dort erst mal kennenlernen. Mir hat es in Vietnam geholfen, die erste Woche damit zu verbringen, erst mal die Kollegen im Büro und das Arbeitsklima kennenzulernen, und erst danach habe ich mir grundlegende Gedanken darüber gemacht, was ich während meines Aufenthaltes lernen möchte.
Würdest du diese Erfahrung weiterempfehlen?
Auf jeden Fall! So eine Möglichkeit bekommt man nicht oft im Leben. Ich konnte nicht nur ein neues Land entdecken; ich konnte auch die Menschen dort kennenlernen und mit ihnen arbeiten. Ich habe viele neue Menschen kennengelernt, mit denen ich auch nach meiner Zeit in Vietnam noch im Kontakt stehe. Ich konnte ein Land erkunden und gleichzeitig was für die Zukunft und meinen Beruf dazulernen.