Wenn Waren nicht in einen Container passen

Break Bulk Wenn meine Waren nicht in einen Container passen – welche Möglichkeiten der Verladung habe ich dann?

So werden Waren mit Übergröße oder besonders schwere Packstücke verschifft

Karl Gross ist Spezialist für Projektlogistik. Ladungen mit Überhöhe und/oder Übergewicht stehen in unserer Projektabteilung ganz selbstverständlich auf der Tagesordnung. Patrick Zernikow, Leiter unserer Hamburger Projektabteilung, gibt Antworten auf die Frage: Wenn Waren für einen Container zu groß und/oder zu schwer sind – welche Möglichkeiten gibt es, diese Waren per Seefracht zu verschiffen?

Für Fracht, die das Maximalmaß und/oder -gewicht eines Containers übersteigt, gibt es unterschiedliche Verladearten auf verschiedenen Schiffstypen: etwa auf einem Flat Rack oder als Break Bulk auf einem Containerschiff, auf einem Roll on/Roll off Schiff – kurz Ro/Ro – oder als Break Bulk auf einem Stückgutschiff. Entscheidende Faktoren für eine Transport- beziehungsweise Verladeart sind dabei unter anderem die Beschaffenheit einer Ware und ihre Verpackungsmöglichkeiten sowie Möglichkeiten des Handlings. Eng damit verbunden ist die Frage nach den Kosten und der Transitzeit.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Waren mit Übergröße und/oder Übergewicht zu verschiffen.

Übergroß und/oder -schwer und trotzdem per Containerschiff? Das geht!

Bei der Verschiffung von übergroßer und schwerer Fracht wird für die Verladung auf Containerschiffen auf sogenanntes Special Equipment zurückgegriffen. Darunter fallen beispielsweise Flat Racks. Diese kommen oft beim Transport von Waren zum Einsatz, die in ihrer Breite und Höhe Containermaße überschreiten – sie verfügen weder über Seitenwände noch über ein Dach. Ansonsten entsprechen ihre Außenmaße denen der 20-Fuß-Container beziehungsweise der 40-Fuß-Container.

Wichtig ist eine fachgerechte seemäßige Verpackung der Ware mit ausreichend Laschmöglichkeiten, denn vor der Beladung des Schiffes wird die Fracht auf dem Flat Rack gestaut und gesichert. Die Ware geht also „pre-lashed“ an Bord.

Anders verhält es sich, wenn Waren „lose“ als Break Bulk auf Containerschiffen verschifft werden. Dabei wird aus Plattformen oder aus Flat Racks eine Art Bett in eine Luke des Containerschiffs eingezogen und die Ware darauf platziert. Die Ladungssicherung erfolgt dann erst an Bord. Eine fachgerechte seemäßige Verpackung mit ausreichend Laschoptionen ist auch bei dieser Variante unumgänglich.

Der Transport mit einem Containerschiff ist in der Regel gut planbar. Die Schiffe haben feste Routen und Transitzeiten. Die hohe Abfahrtsdichte erlaubt eine vergleichsweise flexible Umsetzung.

Roll on/Roll off: Ladung an und von Bord rollen

Bei einem RoRo-Schiff wird die Ladung an Bord gerollt. Je nach Schiffstyp variieren die Obergrenzen für Höhen und Breiten von Sendungen – gleiches gilt für das Gewicht. Die maximale Sendungshöhe beträgt 7,1 m, die maximale Breite 12 m.

Für Fracht, die nicht selbst an Bord rollen kann, gibt es verschiedene Lösungen. Mafitrailer und Multi-Purpose-Bogies sind zwei Varianten. Mafitrailer sind eine Art Anhänger, auf die die Fracht geladen und von speziellen Fahrzeugen an Bord geschoben oder gezogen wird. Sie eignen sich besonders für „schwergewichtige“ Waren. Multi-Purpose-Bogies sind Mehrzweck-Radsätze mit geringerer Tragkraft bis zu 120 Tonnen. Es handelt sich dabei um ein auf Achsen befestigtes Drehgestell.

Im Gegensatz zu Containerschiffen ist die Abfahrtsdichte bei Ro/Ro-Schiffen geringer. Je nach Reederei und Zielhafen werden zwei bis drei Abfahrten monatlich angeboten. Die Transitzeiten gleichen denen der Containerschiffe.

Konventionelle Verladung: Das Stückgutschiff als Alleskönner

Das Stückgutschiff ist eine weitere Möglichkeit, Waren ans Ziel zu bringen. Je nach Schiffstyp eignet es sich auch für extrem schwere Sendungen. Stückgutschiffe verfügen oft über eigene Bordkräne mit hoher Tragkraft und in der Regel über eigenes Bordgeschirr. Das macht sie besonders flexibel im Hinblick auf Lade- und Löschhäfen. Waren können beispielsweise in einem Hafen gelöscht werden, der selbst über kein geeignetes Equipment verfügt – sofern es der Tiefgang erlaubt.

Die vielfältigen Lademöglichkeiten und hohen Obergrenzen bezüglich der Maße und Gewichte von Sendungen machen diese Transportvariante besonders attraktiv.

Stückgutschiffe haben oftmals keine festgelegte Route. Die detaillierte Route setzt sich je nach Dienst erst während der Seereise zusammen. Mit Blick auf die Transitzeiten können Stückgutschiffe daher nicht mit Ro/Ro- und Containerschiffen mithalten (zumindest nicht, sofern sie nicht voll gechartert wurden), dafür sind sie aber eine günstigere Alternative.