Die Hafenlandschaft Vietnams

Vietnam Die Hafenlandschaft in Vietnam für internationale Warentransporte per Container

Bernd Kai Nietert Head of Sales & Business Development

Wo liegen die bedeutenden Häfen in Vietnam - und welche Hafeninfrastruktur ist vorhanden? Ein Überblick für exportierende Unternehmen

Vietnams Logistikmarkt nimmt immer mehr an Fahrt auf. Ein Grund dafür ist sicherlich das 2016 mit der Europäischen Union und den USA geschlossene Freihandelsabkommen FTA. Teile dieses Abkommens beinhalten unter anderem die Aufhebung von Zollabgaben sowie die Erleichterung von Marktzugängen. Damit wird Vietnam als Produktionsstandort immer attraktiver – auch für deutsche Unternehmen.

Aber wie sieht es mit der Hafeninfrastruktur in Vietnam aus?!

Welche Häfen stehen aktuell für Transporte aus Europa nach Nord-, Mittel- oder Südvietnam zur Verfügung? In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die vietnamesischen Häfen, die für Containerverkehre zwischen Nordeuropa und Vietnam wichtig sind.

Wichtige Containerhäfen im Norden Vietnams

Im Norden Vietnams befinden sich unter anderem der Hai Phong Port und der Vung Ang Port.

Der Hafen Hai Phong liegt quasi vor der Tür der Hauptstadt Hanoi. Er ist ein zentrales Gateway für Waren, die für Hanoi und umliegende Industrie- und Produktionszonen bestimmt sind. Je nach Reederei wird der Hafen aktuell zwischen ein- und dreimal wöchentlich angelaufen.

Etwas weiter südlich liegt der Hafen Vung Ang Port – etwa auf halber Strecke zwischen dem Hafen Hai Phong und dem in der Mitte Vietnams gelegenen Hafen Da Nang. Hai Phong Port und Vung Ang Port sind keine Tiefwasserhäfen. Die Ozeanriesen, die im Fernost-Verkehr eingesetzt werden, können diese Häfen aufgrund ihres Tiefgangs nicht direkt anlaufen. Daher werden die Sendungen mit Zielhafen „Hai Phong“ oder „Vung Ang“ in Umladung transportiert. Diese findet in der Regel in Singapur oder Hongkong statt, wo die Container zunächst gelöscht und auf kleinere sogenannte Feederschiffe umgeladen werden. Die Feederschiffe transportieren die Fracht dann in die Zielhäfen.

Wichtige Containerhäfen in Zentralvietnam

In Zentralvietnam befinden sich der Da Nang Port und, etwas südlich, der Quy Nhon Port.
Der Da Nang Port ist ein Tiefwasserhafen. Entsprechend bieten Reedereien Direktverbindungen von und nach Europa an.

Der zentral gelegene Quy Nhon Port ist besonders attraktiv für Waren, die in das westliche Hinterland und in die Region des Mekongdeltas (Südwesten von Vietnam) transportiert werden sollen. Zudem ist er häufig Umschlagspunkt für Waren mit Endbestimmung Kambodscha.

Wichtige Containerhäfen im Süden Vietnams

Die südvietnamesische Region um Ho Chi Minh City ist das wirtschaftliche Zentrum des Landes. Und hier befindet sich ein weiteres Tiefwasserterminal – der Cai Mep-Thi Vai Hafen. Er ist Teil des Hafens von Ho Chi Minh City. Rund 80 km südlich von Ho Chi Minh City entfernt werden Waren aus Nordeuropa, die beispielsweise für industrielle Produktionszentren wie Dong Nai und Binh Duong bestimmt sind, von Bord gelöscht. Umgekehrt funktioniert der Warentransport auch: Von hier aus gibt es aktuell Direktverbindungen in die nordeuropäischen Häfen.

Ein weiteres wichtiges Containerterminal im Hafen von Ho Chi Minh City ist Cat Lai. Es ist eigenen Angaben zufolge das größte und modernste Terminal des Landes und verfügt über eine gute Hinterland Anbindung. Cat Lai bietet sich besonders für Transporte in die bzw. von den industrielle Produktionszentren nördlich von Ho Chi Minh City an.

Allerdings: Cat Lai ist kein Tiefwasser-Terminal. Eine Umladung, beispielsweise im Hafen von Singapur, ist also notwendig.

Was muss bei Akkreditiv-Geschäften beachtet werden?

Insgesamt gibt es entlang der mehr als 3.000 km langen Küste Vietnams eine Vielzahl von Häfen für ganz unterschiedliche Zwecke, unter anderem für Containerverkehre oder Break-Bulk-Verkehre. Oft handelt es sich dabei aber um kleinere Häfen, die etwa für die Containerschiffe neuester Generation nicht ausgelegt sind und deshalb von Reedereien nur in Umladung angefahren werden können.

Dieser Faktor muss bei Akkreditiv-Geschäften unbedingt berücksichtigt werden. Sieht ein Akkreditiv vor, dass Waren in einen Hafen transportiert werden sollen, der nicht direkt angelaufen wird, muss das Akkreditiv eine Umladung zulassen: „transshipment allowed“.

 

 

Eine Umladung muss im Akkreditiv zugelassen sein.

Die Hafenlandschaft in Vietnam: ein Blick in die Zukunft

In Vietnam wird einiges dafür getan, um die Hafeninfrastruktur des Landes zu erweitern. Im Hai Phong Port ist beispielsweise der Bau zweier neuer Containerterminals geplant. Sobald der Ausbau des Hai Phong Port abgeschlossen ist – das soll 2018 so weit sein – sollen von dort aus Exportwaren aus den Provinzen Nordvietnams direkt nach Europa und Amerika verschifft werden.

Derzeit im Bau befindet sich außerdem der Tiefwasserhafen Lach Huyen International Gateway Port. Er soll nach seiner Fertigstellung – voraussichtlich ebenfalls im Jahr 2018 – für eine weitere Direktverbindung zwischen Nordvietnam und Europa sorgen.

Auch in Südvietnam tut sich etwas: Dort wurde jüngst der weitere Ausbau des Containerhafens von Ho Chi Minh City in Angriff genommen. Ebenso soll das Mekongdelta künftig besser an das internationale Seefracht-Netz angeschlossen werden.


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